Anleitung: Mercedes Automatikgetriebe ruckt – Magnetventil WÜK

Einleitung

Das Automatikgetriebe 722.6 ist ein 5-Gang Automatikgetriebe von Mercedes, welches unter anderem im W203 verbaut wurde. Wenn das Automatikgetriebe anfängt zu rucken, ist es wichtig, die Symptome genausten zu beobachten. Ruckt das Automatikgetriebe beim schalten, beim Anfahren, im Schubbetrieb, beim Runterschalten, oder nur in den ersten Gängen ohne einen Schaltvorgang. Letzteres lässt auf eine Fehlfunktion der Wandlerüberbrückungskupplung, kurz WÜK, schließen.

Die WÜK besitzt die Aufgabe, den Schlupf im Wandler selbst in den höheren Gängen zu minimieren, durch das Überbrücken des Wandlers. In dieser Anleitung schildere ich einen Weg, einen Defekt an der WÜK zu diagnostizieren und den Fehler zu beheben.

Symptome und Diagnose

Die WÜK wird elektronisch den oberen Gängen unbemerkt zugeschaltet. Normalerweise merkt man die Zuschaltung der Wandlerüberbrückungskupplung nicht. Die Ansteuerung der WÜK erfolgt über Öldruck. Dieser Öldruck wird durch ein elektronisches Magnetventil ausgelöst.

Die WÜK arbeitet normalerweise in den folgenden Zuständen:

  • Offen: Im 1. Gang unterhalb von 2000 U/Min
  • Schlupfend: In den Gängen 2. und 3. zwischen 1000 U/Min und 2000 U/Min
  • Geschlossen: Oberhalb von 2000 U/Min (ausgenommen der 1. Gang)

Folgende Symptome lassen sich bei einer Fehlfunktion der WÜK erkennen:

  • Drehzahlschwankungen zwischen 1000 U/Min und 2000 U/Min
  • Beim Beschleunigen ruckt das Getriebe im Drehzahlbereich zwischen 1000 U/Min und 2000 U/Min
  • Beim Abbiegen oder Anfahren am Berg gibt es einen Ruck im Drehzahlbereich zwischen 1000 U/Min und 2000 U/Min

Mittels einer StarDiagnose kann man die WÜK für kurze Zeit deaktivieren. Sollten die Symptome danach verschwinden, liegt definitiv eine Fehlfunktion im Bereich der Wandlerüberbrückungskupplung vor.

Dennoch lässt sich auch ohne eine Star Diagnose sagen: Wenn das Automatikgetriebe in den oben genannten Drehzahlbereichen ruckt und es fand kein Gangwechsel statt, liegt es höchstwahrscheinlich an der WÜK.

Elektronisches Magnetventil der WÜK defekt

Bevor man sich jedoch für ein Generalüberholtes Getriebe entscheidet, bleibt die Hoffnung, dass das Magnetventil auf der Platine der elektronischen Getriebesteuerung defekt ist. Zwar bietet eine Star Diagnose die Möglichkeit die Magnetventile auf Funktion zu testen, jedoch erfolgt dieser Test während Motor-Aus. Demnach ist es nicht möglich ein sich im Betrieb befindliches Magnetventil zu überprüfen.

Mögliche defekte am Magnetventil:

  • Der Kolben hängt, bzw. ist ausgeschlagen.
  • Das Magnetventil beginnt im Betrieb zu flattern.

Magnetventil der Wandlerüberbrückungskupplung wechseln

Nun möchte ich euch zeigen, wie ich den Wechsel des Magnetventils für die Ansteuerung der Wandlerüberbrückungskupplung durchgeführt habe.

Für den Wechsel benötigen wir:

Für den Wechsel des Magnetventils benötigt man ca. 3,5 Stunden. Beim Ausbau der elektronischen Steuereinheit ist absolut Sauberkeit von Nöten, daher sollte man die Innereien des Automatikgetriebes nicht auf Tüchern oder der Gleichen ablegen, um die Einheiten nicht mit Fusseln zu beschmutzen.

Nach dem Wechsel des Magnetventils ist es normalerweise erforderlich die Adaptionswerte im Steuergerät zurück zu setzen. Anschließend muss die Wandlerüberbrückungskupplung neu adaptiert werden. Die Adaption der WÜK kann ohne eine Stardiagnose erfolgen. Um die Adaption durchzuführen, muss der Motor und das Getriebe kalt sein.

  1. Den Motor starten.
  2. Bremse treten.
  3. Fahrstellung in “D”.
  4. 15 Sekunden mit getretener Bremse stehen.
  5. Bremse lösen.
  6. Solange fahren, bis die Motortemperatur um 10° angestiegen ist.
  7. Stehen bleiben und die Bremse bei eingelegter Fahrstufe erneut 15 Sekunden lang halten.

Diese Prozedur solange durchführen, bis der Motor seine Betriebstemperatur erreicht hat. Danach für eine längere Zeit mit einer konstanten Geschwindigkeit fahren.

Automatikgetriebeöl Füllstand kontrollieren

Um den korrekten Ölstand für das Automatikgetriebe zu bestimmen, muss die Öltemperatur mindestens 80 Grad betragen. Danach misst man bei laufenden Motor in Stellung P den Ölstand über den Einfüllstutzen. Der Messstab wird hierbei soweit eingeführt, bis er den Boden der Ölwanne berührt.

Zusammenfassung
Anleitung: Mercedes Automatikgetriebe ruckt - Magnetventil WÜK
Artikeltitel
Anleitung: Mercedes Automatikgetriebe ruckt - Magnetventil WÜK
Beschreibung
Das Automatikgetriebe ruckt! In dieser Anleitung zeige ich euch eine mögliche Ursache und Fehlerbehebung für das Rucken im 722.6 Automatikgetriebe.
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Kommentare

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12 Gedanken zu „Anleitung: Mercedes Automatikgetriebe ruckt – Magnetventil WÜK

  • 20. Januar 2017 um 15:19
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    Hallo Patrick,

    super Anleitung.

    Als Ergänzung schlage ich noch den Wechsel des EGS-Steckers vor. Da kam es häufig zu Undichtigkeiten (Öl im Kabelbaum bis zum Steuergerät). Es gab drei oder vier verschiedene Teilenummern, die neueste a2035400253 zu erkennen an den schwarzen etwas dickeren O-Ringen (die ganz alten waren rot, dann weiß und jetzt eben schwarz).
    Achtung beim Ausbau, die Schraube mit Kältemittel behandeln, damit sich die Mutter in der dahinter liegenden Platine nicht mitdreht.
    Achtung beim Einbau, Anzugsmoment 2,5NM (zweikommafünf).
    Der EGS-Stecker kostet ca. 10€ bei MB.

    Antwort
    • 20. Januar 2017 um 15:22
      Permalink

      Hallo Kai,

      Du hast natürlich recht, das sollte man grad mit machen, vor 8 Monaten hatte ich den ersten Getriebeölwechsel gemacht, da war der Stecker noch dicht (Never change a running system). Nun, da der Stecker sowieso raus musste, habe ich diesen auch grad mit gewechselt – Eine Sorge weniger.

      Antwort
  • 30. April 2017 um 09:20
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    Hallo zusammen, bei meinem W203 habe ich das Problem eines Ruckelns nur wenn er kalt ist d.h unter 60 Grad und nur wenn ich unter 1500 U habe und im stopp and go fahren muss. Also Stadtverkehr hinter Autos. Kann ich zügig durchfahren gibt es kein Problem und bei 60 Grad ist es weg. Dies macht er aber dann den ganzen Tag nicht mehr, auch wenn er in der Arbeit 6 Stunden stand.
    Getauscht wurden Nockenwellensensor mit den Ölstoppkabel, Steuerketten mit Nockenwellenversteller, Kraftstofffilter, Zündkerzen, Drosselklappe ausgebaut und gereinigt. Versteller sind ok.
    Mehrmals ausgelesen bei Mercedes und Bosch, kein Fehler erkennbar.
    Kann es das Magnetventil im Getriebe sein, wenn er das Ruckeln nur im ganz kalten Zustand macht wie beschrieben?
    Er schaltet wunderbar die Schaltvorgänge weich durch, wie uns die Werkstätten bestätigen.

    Antwort
    • 1. Mai 2017 um 22:29
      Permalink

      Hallo,

      Also zunächst einmal. Wenn man ein Rucken im Antrieb bemerkt muss man vorne beginnen.
      Der Motor muss aboslut top sein (um welcen geht es eigentlich?)
      Gutes Beispiel ist die Magnetkupplung im M112 ML (C32 AMG) wenn diese einkuppelt, gibt es ebenfalls einen Ruck.
      Wenn man den Motor ausschließen kann, muss man das Getriebe überprüfen. Danach kommen Motor- und Getriebelager und dann Hardyscheibe, Gelenkwelle(Kardanwelle) und Differenzialgetriebe.
      Zu guter letzt kann man noch das ESP überprüfen.

      Damit ich dir helfen kann, musst du mir mehr Input geben, wann wo und wie das Rucken in Erscheinung tritt und wann nicht.

      Wurde die WÜK mit der Stardiagnose schon einmal deaktiviert?

      Welches Baujahr ist der W203 (wichtig für die Getriebeversion, erst ab einem bestimmten Baujahr hat man die WÜK ab Gang 1)

      Grüße

      Antwort
  • 25. Juli 2017 um 00:29
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    hi
    als ich das ehs bzw. Getriebesteuereinheit ausbauen wollte (die t30 schrauben) sind 2 schrauben kaputt gegangen also ich werde die ausbohren aber woher bekomme ich neue schrauben ich suche schon so lange

    Antwort
    • 26. Juli 2017 um 10:30
      Permalink

      Bei Mercedes.

      Wo sind sie denn abgerissen? Auf Höhe vom Schaltschieber? Dann Schaltschieber abnehme und die restliche Schraube einfach herausdrehen. Wenn sie auf der Höhe vom Getriebe abgerissen sind, wirst du wohl aufbohren und dann Linksausdreher benutzen müssen.

      Antwort
  • 2. Januar 2018 um 21:42
    Permalink

    Hallo erstmal großes Dankeschön für die Details ich habe bei meinem c270 W203 km/stand 198.000 dass Getriebeöl samt Dichtungen und Stecker mit original Mercedes Getriebeöl gewechselt.

    Nach ca 3 Wochen wollte mein Benz bei kalten Motor nicht mehr schalten um genauer zu sein erst bei ca 2100-2300 Umdrehungen. Und plötzlich war alles weg er steckte im 2 Gang fest.

    Nein Mechaniker meinte es ist die elektronische Platine???
    Getan getauscht dann kam der Anruf dass es doch die EHS Elektronisch Hydraulische Steuereinheit ist und dabei hat er auch die Dichtungen (Magnet) 4 Stück getauscht.

    Um es kurz zu fassen sein Rat war die ersten 1000km ja kein Kickdown verwenden es sei den dass es wieder passiert denn das Getriebe sollte sich neu anlernen.

    Antwort
    • 15. Januar 2018 um 20:23
      Permalink

      Wenn das Getriebe nur noch im 2. Gang verbleibt, befindet es sich im Notlauf.

      Neu Anlernen vom Getriebe findet innerhalb von 5 auf und abwärtsschaltungen in jedem Gang statt, da reichen auch 30km.

      Wo der Fehler liegt, kann ich natürlich mit den nur wenig Informationen nicht sagen. Allerdings hatte ich auch schon eine defekte schwarze Elektroplatte. Die Leiterbahnen waren irgendwo defekt und das Getriebe sprang ständig in den Notlauf.

      Wenn das Getriebe in einem Gang hängen bleibt, gibt es viele Ursachen. Bitte hierzu einfach mal den Beitrag über die elektro-hydraulische Steuereinheit lesen. (https://www.derpade.de/anleitung-722-6-automatikgetriebe-schaltschieberkasten-zerlegen-und-reinigen/)

      Antwort
  • 13. Januar 2018 um 22:03
    Permalink

    Hallo an alle, also ich habe auch das Problem mit dem ruckeln…
    W203 CDi bj. 2003 123000 km…
    Ich möchte euch den Werdegang so gut es geht schildern…
    Es ist morgen und es ist kalt, ich starte das Auto. Lege D ein und fahre los, gebe nur vorsichtig Gas das sonst meine Drehzahl schnell über 2500 rtm geht, es findet indem ersten 10 min ( 2 km ) kein oder sehr schlechter Gangwechsel statt , das Auto hängt bei 2000 Turen ( Rekord lag bei 14sec ) dann schaltet er so…. als würde er zwischen den 1. und 2 Gang hängen , die Drehzahl ( von 2000 rtm auf 1800 rtm ) als das ATG merkt das da was nicht stimmt schaltet er runter ( rtm bei 1000 ) es fängt an zu Brummen. Das dieser Zustand nicht normal ist merkt das ATG schnell und schaltet mit ruckeln wieder hoch ( 2200 rtm ) und dieser Zustand geht so 2 km bis er etwas warm wird… wenn er warm ist gibt es kein ruckeln aber die schaltvorgänge lassen trotz Bezriebstemperatur auf sich warten. Das ATG braucht lange um zu schalten daher habe ich so 12 – 15 Liter Verbrauch beim Diesel. Falls jemand etwas ähnliches hat und mir einen Tipp geben kann wehre ich sehr dankbar… auch gerne telefonisch. 015786256029. Danke an den Autor super Sache…

    Antwort
  • 6. Februar 2018 um 08:55
    Permalink

    Hallo,

    tolle Anleitung, ist sie auch für ein 722.9 Getriebe anwendbar?

    Grüße

    Antwort
    • 11. Februar 2018 um 11:29
      Permalink

      Hallo,

      Leider kenne ich mich mit dem 722.9 Getriebe nicht aus :-/.

      Grüße

      Antwort

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