Rezension zur Gießener Aufführung von „Prinz Friedrich von Homburg“ am 9. Dezember 2011

Prinz Friedrich von Homburg ist Kleists letztes Drama, welches er vor seinem Selbstmord schrieb. Als Schauplatz dient die preußisch-brandenburgische Schlacht gegen schwedische Truppen. Protagonist ist dabei ein verträumter Prinz – Prinz Friedrich von Homburg. Der Prinz lebt teils in einer Traumwelt und lässt oftmals seinem „zweiten Ich“ freien Lauf, doch der Prinz muss schon bald erfahren, dass es für ein solches Individuum in der Gesellschaft kein Platz gibt.
Das Gießener Theater hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, dieses Drama einmal in Szene zu setzen. Bühnentechnisch arbeitet das Gießener Theater auf höchstem Niveau, doch leider füllen lediglich Springerstiefel die leere und triste Bühnenshow. Diese sollen scheinbar weitere Soldaten darstellen, doch oftmals sind sie im wahrsten Sinne des Wortes nur eine Stolperfalle für Akteure. Regisseur Wolfram J. Starczewski setzt eher auf sprachliche Ebene, als das Geschehen mit diversen Aktionen zu untermalen. Ein beziehungsloses Geflecht ist das Resultat dieser Inszenierung; Darsteller wenden sich immer und immer wieder dem Publikum zu, anstatt unter einander zu agieren. Eine richtige Konversation kann so nicht stattfinden und auch als Zuschauer hat man ein Problem, da man oftmals nicht genau weiß, wer denn nun angesprochen wurde. Lediglich (homo-)erotische Szenen und ein lautes und starkes Auftreten vereinzelter Personen schaffen ein wenig Luft zwischen den Zusammenhangslosen und aneinander gestückelten Dialogen. Genauso verstörend, wie die Homoerotischen Szenen, sind auch die Anfangsszenen, denn so beginnt das Drama mit einem Selbstmordakt des scheinbar triebgesteuerten inneren Ichs des Prinzen. Die wenig agierenden Darsteller sind nur ein Teil der auffälligen Punkte, denn wer Kleists Stück kennt, weiß sicherlich, was es mit dem Handschuh der Prinzessin auf sich hat; Schade, dass Regisseur Starczewski hier für Abwechslung sorgen möchte, aber dabei mehr Verwirrung unter den Zuschauern weckt. Zur Leistung der Schauspieler lässt sich nur eine geteilte Meinung unterbreiten, denn wohingegen Lukas Goldbach als Prinz Friedrich von Homburg und Frerk Brockmeyer als Hohenzoller sprachlich sehr begabt sind, so sind Roman Kurtz als Kurfürst, Ana Kerezovik als Kurfürstin und Mirjam Sommers recht wortkarg und wenig überzeugend. Inhaltlich wurde eben nicht exakt auf eine eins zu eins Kopie geachtet und Regisseur Starczewski setzt hier auf viel Interpretationsfreiraum. Resultierend ergibt sich ein Schaubild der damaligen Gesellschaft, die ebenso wie die Kostümierung der Akteure, dem Individuum – in diesem Fall dem Prinzen – kein Spielraum lässt. Militärisch angehaucht durch zahlreiche verteilte (Springer-)Stiefel auf der Bühne und im Hintergrund projizierte Kampfhubschrauber macht das visuell dargestellte Drama einen kühlen und strikten bzw. strengen Eindruck. Mit Beifall klatschte das Publikum nach zwei vergangenen Stunden puren Dialogs. Das Stück endet erneut mit einem Selbstmordakt des gefühlsgelenkten Ichs des Prinzen und lässt den Zuschauer erneut mit offenen Fragen zurück.

Viel Handlung hat die Gießener Inszenierung leider nicht zu bieten, dafür hat sie aber einen sehr großen Spielraum für Interpretationen und ist teils modern angehaucht. Auch das Bühnenbild ist leider so leer, wie die Handlung unter den Akteuren und somit ergibt sich kein spannender und abwechslungsreicher Gesamteindruck der Gießener Inszenierung des Dramas „Prinz Friedrich von Homburg“.

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